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Letzte Hochzeit vor dem Lockdown

Veranstalter will es den 25 Gästen so schön wie möglich machen – Stimmung kommt trotz kleiner Band nicht wirklich auf – Er glaubt schon, dass die Brautpaare die Entscheidung bereuen – Ordnungsamt kontrolliert, ob alle Vorgaben eingehalten sind – Mitarbeiter verabschieden sich ohne Beanstandungen – Feier kann bis 23 Uhr weiter gehen, aber nicht bis 1 Uhr wie geplant – Ersan Basal kann durchaus den Lockdown verstehen, dass er nötig ist und steht auch dahinter – Staatshilfen sichern ihm wahrscheinlich nicht mal einen Monat seiner laufenden Kosten – Sollte es jedoch so noch ein Jahr weiter gehen, sieht er die Insolvenz drohen – Doch die Gesundheit der Menschen geht vor

Ort: Hamm Dreh: 01.November 2020

Eine Hochzeitsgesellschaft mit nur 25 Gästen ist normalerweise nicht das Publikum welches den Veranstaltungssaal in Hamm von Leyla-Events mietet. Der Saal ist für 500 feiernde Personen ausgelegt – ein Umstand, der Veranstalter Ersan Basal traurig stimmt. Denn die Stimmung kommt bei der letzten Hochzeit in seinem Saal vor dem Lockdown, trotz kleiner Band nicht wirklich auf. Etwas, was ihm in der Seele weh tut, denn wenn er selbst einmal heiratet, möchte er das auch im großen Rahmen feiern und nicht nur mit der engsten Familie.

Deswegen glaubt Ersan Basal auch, dass die Brautpaare ihre Entscheidung bereuen, mit nur so wenigen Gästen zu feiern. Aber das Brautpaar wollte es auch einfach hinter sich bringen, wie der Veranstalter berichtet. Der Saal war bereits seit einem Jahr gebucht und keiner weiß, wie es weiter geht. Denn er selbst kann sich nicht vorstellen, dass hier im Januar oder Februar wieder 150 Gäste, wie im August oder September, zusammen feiern. Das fand Basal zwar auch eine Einschränkung, aber noch nicht so gravierend und trotz der Hygienekonzepte umsetzbar.

Zwischendurch klopft das Ordnungsamt an der Tür zum Saal und kontrolliert, ob alles vorschriftsmäßig läuft. Die Gäste sind erschrocken, aber Ersan sieht die Mitarbeiter schon fast als Bekannte, weil er sie so oft sieht. Zu beanstanden gibt es auch diesmal nicht, nur die Feierlichkeiten dürfen nicht wie geplant bis 1 Uhr gehen, sondern nur bis 23 Uhr. Basal achtet strikt darauf, dass seine Mitarbeiter und Gäste die Vorgaben einhalten, denn er hat keine Lust ärger zu bekommen. Denn im schlimmsten Fall geht alles auf die Gesundheit hinaus, was er keinem wünscht.

Trotzdem hofft er auf weitere Hilfen vom Staat. Nach Auskunft seines Steuerberaters stehen ihm 75 Prozent seiner Ausgaben vom letzten November zu. Das deckt allerdings nicht mal seine laufenden Kosten. Ein paar Monate kann er, genauso wie einige andere auch in der Branche, so noch überbrücken, aber jedoch kein ganzes Jahr mehr. Allerdings steht er hinter der Entscheidung der Regierung und dem verkündeten Lockdown light – findet sogar, dass dieser hätte früher kommen können. Unverständlich für ihn ist allerdings, warum KiTas und Schulen geöffnet bleiben. Während dem Lockdown, von dem er ausgeht, dass er länger als vier Wochen geht, wird er kleinere Renovierungen vornehmen. Größere Umbaumaßnahmen sind aktuell im Budget nicht drin, denn dazu fehlen ihm die einnahmen.