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Happy-End des Jahres: „Es ist der schlimmste und erleichtertste Tag meines Lebens zugleich!“: Kleinkind Neo büxt in einem unbemerkten Moment von zuhause aus – Zweieinhalbjähriger klettert vom heimischen Garten auf die direkt daneben vorbeilaufenden Gleise – Zugführer reagiert geistesgegenwärtig und legt Vollbremsung hin – Bahn bleibt direkt auf Höhe des Elternhauses stehen

Mutter im Ton: „Ich habe den Zug gehört und so ein Bauchgefühl gehabt. Habe ihn gesucht, doch im Haus und im Garten war er nicht.“ – Familienvater Andreas möchte nach dem Schock am liebsten das Haus verkaufen
Feuerwehr war zum Zugunfall gerufen worden und hatte mit dem Schlimmsten gerechnet: „Einen Einsatz, wo wir am Ende vermelden können, das niemand verletzt ist und unsere Aufgabe nur daran bestand, einem verängstigten Kind einen Teddybären zu schenken, ist für uns eine große Erleichterung und haben wir nicht so häufig!“ – Eltern rätseln, wie das Kind überhaupt zu den Gleisen gelangen konnte – Schnell fahrende Züge der Familie schon lange ein Dorn im Auge – Wir haben die Geschichte mit dem großen Happy-End für alle Beteiligten ausführlich gedreht

Ort: Rieste, LK Osnabrück, Niedersachsen Dreh: 30. September 2020

Kinder haben ihren eigenen Kopf und lassen sich nur schwer bändigen. Jedes Elternteil wird diesen Satz wohl unterstreichen und sich an eigene Erlebnisse erinnern, in dem es froh ist, dass diese Situationen glücklich endeten. Wie nah die Katastrophe und das große Glück wohl beisammen liegen können, musste Olga Göbbel am Mittwochabend am eigenen Leib erleben. Die Mutter von drei Kindern ist im Haus und kocht, als sie draußen den Zug hört. Keine drei Meter vom Grundstück der Familie führt die Regionalbahnlinie vorbei, auf der auch heute ein Zug nach Osnabrück unterwegs war. Olga hört die Hupe und reagiert sofort: „Ich hatte direkt ein schlechtes Bauchgefühl und geschaut, wo Neo ist. Im Haus war er nicht zu finden und im Garten ebenso wenig.“ Dann sieht sie den Zug vor ihrem Grundstück stehen und merkt, wie ihr Herz in die Hose rutscht. Sie rennt los, läuft zu den Gleisen und sieht den Kleinen an der Böschung stehen. „Ich wusste zuerst gar nicht, ob das meiner ist. Erst, als ich näher kam, habe ich ihn erkannt“, ist Olga erleichtert.
Zur gleichen Zeit ging der Notruf bei der Feuerwehr ein. Die rückt zu einem Zugunfall mit unklarem Bild aus und befürchtet das Schlimmste. Denn der Lokführer, der geistesgegenwärtig reagiert und eine Vollbremsung hingelegt hatte, konnte da noch nicht sagen, wo das Kind sich befindet. Schnell gab es für die Feuerwehr dann jedoch Entwarnung, die in der Vergangenheit bereits mehrere tragische Unglücke auf der Strecke erleben musste. „Einen solchen Ausgang, wo wir am Ende vermelden können, dass niemand verletzt ist und wo unsere einzige Maßnahme darin besteht, einem verängstigen Kind einen Teddybär zu überreichen – das ist für uns am Ende des Tages eine Erleichterung und ein Einsatz, den wir so häufig auch nicht haben, aber gut mit leben können“, ist auch Feuerwehrsprecher Dennis Lindemann mehr als glücklich.
Auch für Papa Andreas Göbbel ist der Schock noch nicht verdaut. Er hatte nur erfahren, dass etwas passiert war und kam von der Arbeit herbeigeeilt. Dass er seinen zweieinhalbjährigen Sohn unbeschadet nun auf dem Arm halten kann, grenzt an ein Wunder. Sofort macht er sich auf Fehlersuche, wie das Kind vom eingezäunten und mit einem Gartentor gesicherten Gelände verschwinden kann: „Vielleicht ist er über den Nachbar rüber, der hat auch einen Zugang.“ Gleichzeitig schaut er nach Löchern im Zaun und plant, die Situation aufmerksamer zu beobachten. „Vielleicht setzen wir ihn alleine in den Garten und beobachten, wie er abhauen will.“
So oder so ist für ihn klar, dass sowas nicht noch einmal passieren darf. Viel zu häufig würden die Züge mit einem hohen Tempo vorbeifahren, kritisiert Andreas Göbbel und verweist auch auf noch weitere Kinder in der Nachbarschaft. Er überlegt nun das Haus zu verkaufen. „Die Gesundheit meiner Kinder geht vor, da brauche ich so ein Haus nicht. Er ist mein Baby und mein Schatz. Ohne ihn bin ich nicht der gleiche Mensch“, stellt er klar.
Niemand könne garantieren, ob solch eine Situation nicht erneut eintritt. Während der vierjährige Ben und sechsjährige Sohn die Gefahr durchaus registrieren, weiß Neo auch jetzt noch nicht, was eigentlich los war. „Das sind Kinder. Den kann man nicht sagen, wo sie hingehen dürfen. Das sind keine Maschinen, die einem gehorchen.“
Am Ende kennt dieser Abend nur Gewinner: Der Lokführer, der ein Leben gerettet hat. Die Eltern Andreas und Olga Göbbel, die nach dem großen Schrecken ihre kleine Familie weiterhin gesund in den Arm nehmen können. Und auch Neo – der neben einem großen Maß an Aufmerksamkeit sogar noch mit einem kleinen Geschenk nach diesem aufregenden Tag wenig später ins Bett gehen konnte.