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Ordnungsamt und Polizei greifen durch:

Zu viele Menschen nutzen beliebten Kölner Rheinboulevard zum abendlichen Flanieren und Sonnen – Mindestabstände und Kontaktbeschränkungen werden ignoriert – Ordnungskräfte lassen Uferpromenade komplett räumen – Wege werden abgesperrt, rund 200 Passanten weggeschickt
Maßnahmen sollen bis zum 5. Juni aufgrund des großen Andrangs gelten – Politik will Kontaktbeschränkungen verlängern, doch Bevölkerung ignoriert Vorgaben zunehmend – Menschen können Regeln grundsätzlich verstehen, halten Handeln aber für überzogen: „Die Mindestabstände wurden nicht eingehalten. Kann es schon nachvollziehen, aber ob es was bringt?“

Ort: Köln, Nordrhein-Westfalen Dreh: 25. Mai 2020, 20:30 Uhr

Der Kölner Rheinboulevard am Montagabend. Langsam geht die Sonne unter, die letzten Strahlen tauchen nicht nur den Dom, sondern auch die Promenade in ein warmes Licht. Viele Menschen sind unterwegs, um den frühlingshaften Wochenbeginn gemütlich ausklinken zu lassen. Für die Ordnungskräfte der Stadt sind es allerdings zu viele. Denn seit Samstag gilt für den Boulevard von 15 bis 6 Uhr ein Betretungsverbot. Grund: Zu viele Sonnenhungrige nutzen die Flaniermeile, sodass die Corona-bedingten Mindestabstände nicht eingehalten werden. Am Montagabend reichte es dann Polizei und Ordnungsamt. Kurzerhand sperrten die Kräfte die Wege mit Barken und Flatterband ab. Spaziergänger wurden aufgefordert, den Bereich zu verlassen. Radfahrer mussten umkehren. Viele Passanten haben Verständnis für das Handeln. „Ich finde es in Ordnung, dass wir weg müssen. Auch wenn es voll schade um den Frühlingssonnenuntergangsabend ist“, erzählt Hanna Weiser. „Die Gruppen, das war schon arg. Die Mindestabstände wurden da nicht eingehalten“, meint Tomani Deatta. Und er fragt: „Ich kann es nachvollziehen. Aber ob das was bringt?“ Daran zweifelt auch Roswitha Keck-Bock, die ebenfalls durch die Polizei weggeschickt wird. „Ich finde es überzogen. Ich kann verstehen, dass Maßnahmen ergriffen werden sollten, aber nicht, dass in Zeiten, wo wenig los ist, das durchgezogen wird.“
Schätzungsweise 200 Menschen mussten die Flächen verlassen. Lange währte die Ruhe jedoch nicht. Bereits kurz, nachdem die Beamten weitergezogen sind, kehrten die ersten Fußgänger zurück. Das Katz und Maus-Spiel könnte sich noch mehrfach wiederholen. Die Stadt Köln hat angekündigt, dass das Verbot vorerst bis zum 5. Juni gelten soll. Ob die von der Bundespolitik verlangten Verlängerungen der Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli hier noch den gewünschten Effekt haben werden, ist fraglich.